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Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in den WeberHaus Bauforen der technische Sachverstand eher auf einem Marketing-Niveau ist, als auf “sinnvollem” Profi-Niveau. Das ist jetzt auch nicht schlimm – immerhin muss so ein Bauberater ja nicht nur das Elektrogewerk beherrschen, sondern auch Heizung/Sanitär, Bodenbeläge, usw.
Und jeder Bauherr ist halt irgendwo der “wahre” Fachmann. Ich habe halt ein wenig Ahnung von Netzwerken und sonstigen technischen Einrichtungen in denen ein Prozessor verbaut wird und sie programmierbar sind
. Mir wurde im Standard das Homeway von WeberHaus angeboten. Das wird einem als super System (Marketing !) angeboten, weil halt alles “in einer Dose” ist. Ja, das ist so und das ist auch toll. Du brauchst da halt nicht mehr jedes Medium in einer Dose, sondern hast da nur noch eine. Und im Zählerschrank oder sonstwo laufen halt alle Strippen auf einer strukturierten Schiene zusammen. Gut so. Alles schick.
Ich habe mich trotzdem dagegen entschieden aus folgenden Gründen.
1. Ich setze darauf, dass ich in meinem Haus die meisten Informationen über CAT Kabel übertragen bekomme. Mit einem CAT Kabel kann ich sowohl ISDN S0 Dienste patchen, wie auch UP0 Dienste (Systemtelefone), wie auch IP Dienste. Damit kann ich also Daten- und Sprachpakete transportieren. Gäbe es heute schon gute IP Fernseher (wird irgendwann kommen), würden die auch über so ein Kabel laufen können.
2. Die restlichen Informationen laufen über KOAX Kabel (Fernsehen, SAT-Signal) und über 8-12 adrige Kabel (wie z.B. entfernte Klingelanlagen, EnOcean Wetterstationen, etc.). KOAX finde ich aktuell unverzichtbar, da mir das Risiko einfach zu groß ist, dass ich auf “unterentwickelte” Streaminglösungen für TV angewiesen bin. Da gibt es einige Lösungen, die sind aber meiner Meinung nach noch nicht 100% ausgereift. KOAX habe ich daher in die Küche, in das Wohnzimmer, in jedes Schlafzimmer und in “meine” Kellerräume legen lassen. WeberHaus bietet eine SAT Anlage an, die bis zu 8 Teilnehmer versorgen kann. Die kostet knapp einen Tausender, dafür wird die aber komplett funktionsfähig durchgemessen übergeben.
Planerisch habe ich mich mehr mit Punkt 1 beschäftigt. Da bin ich wie folgt herangegangen.
Ziel einer CAT Verkabelung ist es, Anschlussdosen für Endgeräte zu bekommen. Wenn man sich ein wenig mit dem IP Protokoll befasst, dann ist ein CAT Kabel nicht zwingend eine 1:1 Leitung. Also wenn ich einen Server habe und ziehe vom Server ein Kabel zu einem Client, dann ist das IP Protokoll so aufgebaut, dass auch in der MITTE noch Technik sein darf. Das sind dann Router, Hubs oder Switche. Damit kann man aus einem Kabel mehr herausholen. Das kann sich jeder ganz einfach vorstellen. Zwischen Europa und den USA gibt es ein Überseekabel, über das millionen, ach multi-milliarden an Informationen übertragen werden. Diese Informationen werden ja auch nicht nur zwischen einem Server und einem Client ausgetauscht, sondern zwischen millionen Servern und millionen Clients.
Und dieses Prinzip der “Bandbreite” hilft uns im Haus. Grundsätzlich reicht in einem Haus heute eigentlich ein Kabel pro Etage. Dann klemmst du pro Etage einen WLAN Router ans Ende eines Kabels und hast so eine Funkstation pro Etage. Die nehmen dann von den Clients die Daten auf, leiten die gesammelt über das Kabel in den Keller zu deinem “Hauptverteiler” und der routet das dann ins Internet oder ins Hausnetz. Ein CAT7 Kabel hat eine theoretische Bandbreite von über 10GBit. Heute sind 1GBit Switches bezahlbarer Standard. 10GBit Switche kosten bei IBM aktuell noch echt Geld. Das bedeutet also, dass unser CAT7 Kabel mehr Bandbreite verarbeiten kann, als wir heute überhaupt verarbeiten können (also bezahlbar). Dann stellt sich auch noch die Frage, ob wir die heute verfügbare und bezahlbare Bandbreite überhaupt benötigen. Zum Surfen im Internet wohl kaum. Da leistet VDSL oder Glasfaser heute bis zu 100MBit. Wir könnten also 10 solcher Leitungen über einen 1GB Switch laufen lassen – brauchen wir aber alles nicht.
Stellt sich jetzt die Frage, ob wir intern im Netzwerk mehr als 100 MBit benötigen. Wenn wir einen zentralen Server haben, der unsere Filme hostet und wir 5 Streaming Clients haben, dann benötigen wir die 100MBit pro Client auch nicht. Wir kommen heute bei HDTV mit den aktuellen Kompressionsalgorithmen locker mit 100MBit aus. Wer es genau wissen will, schlägt bei Wikipedia nach.
Kommen wir zurück zu meiner These, dass eine Leitung pro Etage reicht. Das ist so, da wir die Bandbreite von 10GBit (theoretisch) nie erreichen werden. Gehen wir von 1GBit aus – auch die benötigen wir aktuell wohl auch nicht. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass wir 100MBit Leitungen benötigen, so könnten wir 10 Leitungen pro Etage geteilt über ein 1GBit Switch laufen lassen.
Wenn wir jetzt aber pro Etage die Switch und Router einsparen wollen, dann ziehen wir einfach mehr Kabel in mehrere Räume. So habe ich das dann gemacht. Ich habe in die Schlafzimmer jeweils eine Doppel CAT Dose gezogen. Ein Port für ein Telefon, ein Port für IP. Der IP Port läuft dann im Keller in einen Switch, über den ich das Hausnetzwerk betreibe. An den Switch kommt dann eine Firewall, die das Hausnetz von dem Internet trennt. Hinter der Firewall kommt dann das Modem / der Router von der Telekom (o.ä.).
Ich habe in den Schlafzimmern neben einer KOAX Dose ebenfalls eine CAT Dose setzen lassen. So kann ich später relativ einfach von KOAX auf IP umsteigen. Und sollte ich irgendwann einmal mehr als einen Fernseher oder z.B. ein TV und ein Radio oder eine Playstation oder was auch immer an dieser einen Dose betreiben wollen, dann hänge ich an die Dose halt eine 10 Euro Switch und stecke die Endgeräte dann in die Switch – funktioniert.
Ich bin überzeugt, dass die theoretischen 10GBit auf die nächsten überschaubaren Jahrzehnte reichen werden.
In dem Wohnzimmer habe ich an der Fernsehwand CAT Dosen platziert, ebenfalls an Esstischbereichen. In der Küche habe ich über Highboards CAT Dosen platziert – hier kann dann ein IP Radio stehen oder später ein Fernseher. Bei den Esstisch-Bereichen habe ich von Berker USB Ladesteckdosen einbauen lassen. Da kann man den Mist
von Apple dann direkt in die Steckdose stecken und benötigt dafür nicht extra noch die Ladestecker.
Insgesamt sind die ganzen CAT Leitungen aber purer Luxus, den man sorglos streichen kann. Denn eigentlich braucht man pro Etage echt nur eine Leitung, wenn man auf WLAN setzen will und garantiert eine gute Versorgung haben will. Man kann natürlich auch komplett auf Kabel verzichten und z.B. von Fritz einen WLAN Router kaufen und pro Etage einen Fritz Repeater. Ich bin da eher der klassische Typ. Kabel funktionieren. Kabel im Haus sind grundsätzlich abhörsicher – aber das ist auch alles pure Theorie, da die Angriffe (wenn) eh aus dem Internet kommen. Und da ist das egal, ob das Ziel am Kabel oder am Funk hängt.
So. Das war mir noch wichtig in Richtung Elektro CAT. Homeway finde ich persönlich übertrieben und veraltet. ABER – jemand der von der Telekom einen TK – Anschluss analog bestellt und keine eigene TK Anlage hat, der braucht dann für sein Analog Telefon einen TAE Stecker. Den bekommt er bei Homeway auch in einer Dose mit KOAX und CAT. Super – für mich nur komplett unwichtig.
Ich entscheide am Patchpanel, welche Leistung / Funktion auf einer Dose liegt.
(Fortsetzung folgt)
Super Artikel, ehrlich. Der hilft mir auch noch mal weiter. Zwar haben wir in den Vertrag 6 Homeway-Dosen aufgenommen, die beginne ich aber immer mehr in Zweifel zu ziehen.
Bin zwar kein Heimnetz-Fachmann, denke aber auch über einen Server und die entsprechende Verteilung in den Räumen nach. Das hier gibt mir noch mal diverse Denkanstöße. Danke
Danke für die Blumen. Freut mich, wenn ich Anregungen geben konnte…
So schaut das dann kurz vor der Endverkabelung aus
http://www.hamburger-kaffeemuehle.de/2011/02/28/impressionen-von-der-baustelle/dscn1573/
Wir sind froh, dass wir nicht auf WLan gesetzt haben (kam eigentlich aber nie in Frage), da bei einem Massivhaus in heutiger Bauweise die WLan-Leistung bei uns manchmal echt zu wünschen lässt => zu viel Stahl
Hehe, da habt ihr euch aber ausgetobt. Das tolle an den CAT7 Kabeln ist, dass die sooo schön unflexibel sind. Die kann man ja kaum biegen und muss die alle schick aufpatchen.
LWL Werkzeug habe ich mir schon besorgt
… euch dann auch viel Erfolg bei der Umsetzung
Dann noch eine Info wg. WLAN und WeberHaus / Holzbauweise. Da haben wir einen ziemlichen Vorteil, da Holz nicht einmal im Ansatz so absorbiert, wie Stein auf Stein.
Bei Stein auf Stein würde ich meine Empfehlung mit mind. einer CAT7 pro Etage trotzdem aufrecht erhalten. Sie müsste dann nur intelligent platziert werden, z.B. im Flur wo die naheliegenden Räume dann durch die Tür(en) gut versorgt werden können.
O M G … !!
Ich habe mich wirklich bemüht Alles zu verstehen, aber irgendwie schweben da noch einige Fragezeichen über meinem Kopf! Diese Technik und die Begriffe sind doch noch Böhmische Dörfer für mich. Aber ich bin ziemlich beruhigt, dass wir mit unseren diversen CAT Dosen wohl keinen völligen Mumpitz gebaut haben und dass das ganze System Ausbaufähig und für die zukunft gerüstet ist. Weber hat uns dann auch ein Patchfeld mit angeboten, wobei ich hier noch nicht wirklich weiß was das bedeutet, ABER ich werde jetzt noch einen Kaffee trinken und dann nochmal lesen. Dann verstehe ich sicherlich mehr!
Auch von mit ein dickes Dankeschön für diesen Ausführlichsten Artikel!
Hi Gabi,
wie gesagt… alles halb so wichtig. Eine Leitung pro Etage reicht zur Not vollkommen aus. Jede Leitung, die du mehr hast, ist eine weitere “native” Möglichkeit, 10GBit durchs Haus zu jagen.
Man kann das jetzt auch praktisch sehen. Jede Dose am richtigen Platz erspart dir WLAN Funk oder weiter Switchtechnik und weiteres Kabelgewirr im Zimmer.
Ich würds immer so bauen, dass es ohne WLAN geht.
Zum einen sit es wirklich so, das der eine zentral aufgestellte AP bei uns nach einer Wand aufgibt (Lehmsteinfachwerk), zum anderen muss man ja nicht noch mit Strahlung rumschleudern, wenn mans nicht braucht…
CAT7 Doppelt in jedes Zimmer, dann alles auf ein Patchfeld und von dort zum Switch, 1Wire, TK, etc…
Bin ich bei Dir, haben wir jetzt auch so gemacht. Wenns – aus welchen Gründen nicht passt – halte ich meine Empfehlung trotzdem aufrecht
. Lieber einmal pro Etage strahlen, als komplett alles auf Funk machen. Oder man geht aus dem Kabel in eine Switch und verlegt von dort dann unter dem z.B. Teppich Zuleitungen in die Zimmer. Wenn einer in einer Etage gar nix hat, müsste er das später nachverlegen. Das ist immer suboptimal…
Lehmsteinfachwerk… ei ei ei – das klingt ja super interessant.
Eine kleine Frage noch: Welche SAT Anlage bzw. welcher Hersteller der SAT Anlage wird verbaut? Viele Grüße, Gabi
Kann ich Dir im Moment gar nicht sagen. Das ist mir selbst nicht bekannt. Werde ich aber mal erfragen…
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